SARS-CoV-2 durch LED-Licht im sichtbaren Spektrum deaktivierbar?

Desinfektion einer Straße.
Desinfektion einer Straße mit einem besonderen chemischen Mittel
[Fotograf: Pahl, Georg, Quelle: Bundesarchiv/ Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0 de]

Robert Züblin | 23.06.2020 | 19:54 Uhr

Wissenschaftler haben das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 bei einem in-vitro-Experiment mit LED-Bestrahlung im sichtbaren Lichtspektrum deaktivieren können.

Kombination von Frequenzen

Einleitend schreiben die Forscher in ihrer Studie, dass SARS-CoV-2 auf verschiedenen Materialien eine Lebensdauer von mehreren Tagen habe, sofern spezifische Umweltbedingungen gegeben seien. Dies deute darauf hin, dass kontaminierte Oberflächen eine bedeutende Rolle bei der Übertragung von SARS-CoV-2 spielen könnten.

Dass Lichtfrequenzen in der Lage seien, Mikroorganismen zu deaktivieren, sei durch mehrere Studien bewiesen worden. Allerdings hätten sich diese Studien auf Wellenlängen im ultravioletten Bereich (UV-Spektrum) konzentriert. Das Problem bei der UV-Desinfektion: Bei UV-Licht bestehe die Gefahr, dass es zu Schäden beim Menschen komme, weshalb häufig Sicherheitsmaßnahmen bei der Anwendung von UV-Licht nötig seien.

Mit Hilfe einer LED-Vorrichtung sei es den Forschern nun gelungen, SARS-CoV-2 durch eine spezielle Kombination von Frequenzen aus dem sichtbaren Lichtspektrum zu deaktivieren.

LED-Desinfektion fast überall denkbar

Bei einer Virenkonzentration von 2 * 103 PFU/ml habe die Reduktionsrate des infektiösen Titers bei einer Bestrahlungsdauer von 40 Minuten 97,3 Prozent betragen. Bei der höchsten Viruskonzentration von 2 * 105 PFU/ml hätte eine Bestrahlung über einen Zeitraum von 60 Minuten zu einer Reduktionsrate von 99,8 Prozent geführt.

Die Forscher schreiben, dass die getestete LED-Technik einen großen potenziellen Einfluss im Bereich der Desinfektion von fast allen menschlichen Umgebungen haben könne, sofern weitere und umfangreichere Studien die bisherigen Ergebnisse bestätigen würden. Neben der Desinfektion würde sich die Art der getesteten LED-Vorrichtung, die weißes Licht abgeben würde, auch zur Beleuchtung eignen.

Die Studie wurde auf der Medizin-Archiv-Webseite „medRxiv“ als Vorabdruck veröffentlicht, hat also noch kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen.

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