Keine überzeugende Evidenz gegen MNS, wenn kein Aerosol erzeugt wird

Der Mund-Nasen-Schutz (MNS) auch OP-Maske genannt, schützt nicht nur das medizinische Personal, sondern auch den Bürger.
Schützt der Mund-Nasen-Schutz (MNS) auch gegenüber Viren?
[Fotograf: Vera Katschorowski-Stark, Quelle: Bundesarchiv/ Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0 de, Kolorierung: Robert Züblin]
Robert Züblin | 07.04.2020 | 21:11 Uhr

Forscher kommen im Rahmen einer Studie zu dem Schluss, es gebe keine überzeugende Evidenz dafür, dass der Mund-Nasen-Schutz (MNS) das medizinische Personal schlechter vor einer viralen Atemwegsinfektion schütze als eine N95-Atemschutzmaske (vergleichbar mit einer FFP2-Maske), solange es sich um die routinemäßige Patientenversorgung handele und keine Aerosole erzeugt würden.

Problem: Knappheit bei Atemschutzmasken

Die Wissenschaftler beginnen ihre Studie mit der Feststellung, dass die Empfehlungen seitens einiger staatlicher Gesundheitsbehörden aus verschiedenen Ländern widersprüchlich seien, wenn es um die Frage gehe, welche Maske das medizinische Personal bei nicht-aerosolerzeugenden Behandlungen von Patienten aufsetzen solle, die an COVID-19 erkrankt seien.

So hätte die US-Behörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) eine Atemschutzmaske mit dem Schutzniveau N95 (amerikanischer Schutzstandard, der mit dem FFP2-Standard vergleichbar ist) empfohlen, wenn es um die Versorgung von COVID-19-Patienten ginge, bei der keine Aerosole erzeugt würden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die kanadische Gesundheitsbehörde Public Health Agency of Canada hätten hier hingegen medizinische Masken empfohlen, womit chirurgische Masken (OP-Masken) gemeint sind, die auch als Mund-Nasen-Schutz-Masken (MNS) bezeichnet werden.

Außerdem geben die Forscher zu bedenken, dass zwar noch nicht vollständig geklärt sei, wie der Übertragungsweg bei COVID-19 sei, man aber annehme, dass die Übertragung des Virus hauptsächlich durch große aus den Atemwegen stammende Tröpfchen erfolge. Allerdings bestehe Konsens, dass bei einer Intubation oder einer Bronchoskopie, also bei Behandlungen, die Aerosole erzeugen würden, im Vergleich zu einem Mund-Nasen-Schutz (MNS) durch eine N95-Atemschutzmaske ein besserer Schutz gegeben sei.

Die Wissenschaftler begründen das damit, dass N95-Atemschutzmasken durch ihren engen Sitz eine geringere Leckage aufweisen würden, womit verhindert werden könne, dass kleine luftgetragene Partikel eingeatmet würden. Der Mund-Nasen-Schutz hingegen sei lose angebracht. Er würde aber einen Barriereschutz gegen große Tropfen darstellen.

Ausgangspunkt für ihren Vergleich der Schutzwirkung von N95- und MNS-Masken sei die Überlegung, dass man die Vorräte von N95-Atemschutzmasken für aerosolerzeugende Behandlungen schonen könne, wenn der MNS bei der Patientenversorgung ohne Aerosol-Bildung eine ähnliche Schutzwirkung hätte, wie es in der Studie heißt, die zur Veröffentlichung von der Fachzeitschrift “Influenza and Other Respiratory Viruses” akzeptiert wurde.

MNS bei Routineversorgung gegen Viren

Die Forscher kommen im Rahmen ihrer systematischen Überprüfung und Meta-Analyse verschiedenster Studien zu dem Schluss, dass es keine überzeugende Evidenz dafür gebe, dass der MNS im Vergleich zu den N95-Atemschutzmasken unterlegen sei, wenn es um den Schutz des medizinischen Personals vor viralen Atemwegsinfektionen im Rahmen der Patientenversorgung ginge, sofern keine aerosolerzeugenden Verfahren angewendet würden.

Im Fall der Verhinderung von Influenzainfektionen habe der MNS ähnlich funktioniert wie N95-Atemschutzmasken.

MNS bei aerosolerzeugenden Verfahren

In Bezug auf die Routineversorgung von COVID-19-Patienten könne ein begrenzter Schutz durch den MNS nicht ausgeschlossen werden. In Bezug auf SARS-CoV-2 sei jedoch keine randomisierte Studie gefunden worden, bei der die Schutzwirkung des MNS mit derjenigen der N95-Atemschutzmasken verglichen worden sei.

Allerdings sprechen die Forscher dennoch von einer Evidenz mit geringer Sicherheit in Bezug auf die Schutzwirkung des MNS gegenüber SARS-CoV-2, da sie einen Fallbericht gefunden hätten, in dem es um die Behandlung eines Patienten mit schwerer Lungenentzündung gehe. 41 Personen des medizinischen Personals seien in diesem Zusammenhang aerosolerzeugenden Verfahren ausgesetzt gewesen. Dazu hätte unter anderem die endotracheale Intubation, die Extubation, die nicht-invasive Beatmung und die Exposition gegenüber Aerosolen in einem offenen Kreislauf gehört. Erst später sei der behandelte Patient positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden.

Rund 85 Prozent der Personen des medizinischen Personals (35/41), die den aerosolerzeugenden Verfahren ausgesetzt gewesen seien, hätten einen MNS getragen; die verbleibenden sechs Personen hätten eine N95-Maske verwendet. Bei allen 41 Personen des medizinischen Personals seien nach der Exposition gegenüber dem Patienten zwei Abstriche gemacht worden, um sie auf SARS-CoV-2 zu testen; der letzte Abstrich sei 14 Tage nach der letzten Exposition gegenüber dem Patienten erfolgt, wie es in dem Fallbericht heißt. Alle Tests seien negativ ausgefallen, und niemand von diesen Personen hätte Symptome entwickelt.

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