Der Sekundärwald am Amazonas wächst langsamer als gedacht

Baumbestand in einem Sekundärwald im Amazonasgebiet.
Sekundärwald im Amazonasgebiet
[Foto: Fernando Elias/Rede Amazonia Sustentavel]
Robert Züblin – 20.12.2019, 23:59 Uhr

Wissenschaftler warnen davor, dass die Fähigkeit von Sekundärwäldern im Amazonasgebiet, den Klimawandel abzuschwächen, überschätzt werden könnte.

Sekundärwald gegen Klimawandel?

Die Forscher hätten sich die Daten von zehn Bestandsaufnahmen eines älteren Sekundärwaldes im Amazonasgebiet angeschaut. Die Waldinventuren fanden zwischen 1999 und 2017 statt. Dabei sei die Fähigkeit vom Sekundärwald untersucht worden, Kohlenstoff aufzunehmen, aber auch die vorhandene Biodiversität sei dokumentiert worden.

“Die Region, die wir im Amazonasgebiet untersucht haben, hat einen Temperaturanstieg von 0,1 °C pro Jahrzehnt erlebt, und das Baumwachstum war in Dürreperioden geringer. Angesichts der Vorhersagen über weitere Dürreperioden in der Zukunft müssen wir vorsichtig sein, was die Fähigkeit der Sekundärwälder angeht, den Klimawandel abzuschwächen. Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit internationaler Vereinbarungen, die die Auswirkungen des Klimawandels minimieren”, sagt Fernando Elias, einer der Autoren der Studie, die in der Fachzeitschrift “Ecology” veröffentlicht wurde.

Der Amazonas-Regenwald könnte nach der Abholzung viel langsamer nachwachsen, als bisher angenommen worden sei, heißt es auf der Website der Lancaster University.

Das hieße: Die Fähigkeit von Sekundärwäldern zur Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre sei wahrscheinlich überschätzt worden, was sich wiederum auf die Berechnungen zum Klimawandel auswirken könne.

 
 

Dürrejahre nehmen zu

Auch nach 60 Jahren hätte der untersuchte Sekundärwald nur 40 Prozent desjenigen Kohlenstoffes gespeichert, der in Primärwäldern gebunden sei. Außerdem hätte die Biodiversität in dem Sekundärwald nur 56 Prozent derjenigen eines Primärwaldes entsprochen. In den letzten 20 Jahren hätte die Artenvielfalt in dem Sekundärwald gar nicht zugenommen.

Die Forscher hätten auch herausgefunden, dass in Dürrejahren weniger Kohlenstoff aus der Atmosphäre durch Sekundärwälder aufgenommen werde. Das ist ein Problem, da durch den Klimawandel die Jahre mit Dürre im Amazonasgebiet zunehmen würden, wie die Lancaster University schreibt.

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