Wissenschaftler schätzen über 190.000 Coronavirus-Fälle bis 4. Februar

Chinesische Mauer bei Peking
99%ige Minderung der Reisen könne 2019-nCoV-Epidemie in Restchina nur um 24,9 % senken
[Fotograf: unbekannt, Quelle: Bundesarchiv/ Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0 de]
Robert Züblin – 25.01.2020, 23:59 Uhr

In einem Modell haben Wissenschaftler errechnet, dass die Zahl der mit dem Coronavirus 2019-nCoV Infizierten bis zum 4. Februar 2020 auf über 190.000 Fälle ansteigen könne – in Wuhan allein.

China-Virus: offiziell über 1360 Infizierte

Am 31. Dezember 2019 sollen der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, kurz: WHO) die ersten Fälle einer mysteriösen Lungenerkrankung in der chinesischen Stadt Wuhan gemeldet worden sein. Denn die Ursache war unklar. Heute geht man davon aus, dass das sogenannte Coronavirus 2019-nCoV schuld an den Erkrankungen ist.

Mittlerweile hat sich die Anzahl der Personen, die mit dem – auch als China-Virus bezeichneten – neuen Coronavirus infiziert sind, massiv erhöht. Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt an, dass in China über 1360 mit dem Coronavirus 2019-nCoV Infizierte gemeldet worden seien. 42 Infizierte seien dort bislang gestorben. Außerhalb von China sei die Zahl der bekannt gewordenen Fälle von Infizierten auf 28 Personen angestiegen. Der China-Virus hat mittlerweile auch Europa erreicht; in Frankreich wurden bereits drei Fälle entdeckt.

Nach Schätzung längst über 11.000 Infizierte

Die Wissenschaftler schätzen, dass nur 5,1 Prozent der China-Virus-Infektionen in Wuhan erkannt worden seien. Für den Zeitraum vom Jahresbeginn bis zum 21. Januar 2020 gehen die Forscher in ihrer Studie davon aus, dass sich 11.341 Personen in Wuhan infiziert hätten, wobei das Vorhersageintervall bei 9217-14.245 Infizierten liegen würde.

„Nach 14 Tagen (4. Februar 2020), so prognostiziert unser Modell, wird die Zahl der Infizierten in Wuhan auf mehr als 190 Tausend (Vorhersageintervall 132.751 bis 273.649) ansteigen“, heißt es in der Studie, die als Vorabdruck auf der Medizin-Archiv-Webseite „medRxiv“ veröffentlicht wurde und noch kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen hat.

Außerdem schreiben die Wissenschaftler, dass in anderen Teilen Chinas die am stärksten vom Coronavirus betroffenen Städte Shanghai, Peking, Guangzhou, Chongqing und Chengdu sein werden.

Außerhalb von China würden wegen des Einschleppungsrisikos durch Flugreisen bis zum 4. Februar 2020 vor allem Thailand, Japan, Taiwan, Hongkong und Südkorea betroffen sein.

2019-nCoV schwerer einzudämmen als andere?

„Unser Modell legt nahe, dass Reisebeschränkungen von und nach Wuhan-Stadt wahrscheinlich nicht wirksam sind, um die Übertragung in ganz China zu stoppen; bei einer 99-prozentigen effektiven Reduzierung der Reisetätigkeit kann das Ausmaß der Epidemie außerhalb von Wuhan bis zum 4. Februar nur um 24,9 % reduziert werden“, schreiben die Wissenschaftler.

Abschließend kommen die Forscher zu dem Schluss, dass die Zahl derjenigen Personen, die durch einen Infizierten angesteckt würden, beim jetzigen 2019-nCoV-Ausbruch höher sei als bei anderen Coronaviren. Dies könne es wesentlich schwieriger machen, die Verbreitung des neuen Coronavirus einzudämmen oder zu kontrollieren.

COVID-19