Thirdhand-Smoke-Studie: Kalter Rauch führt zu oxidativem Stress

Helmut Schmidt beim Rauchen einer Zigarette.
Helmut Schmidt mit Zigarette
[Fotograf: Ludwig Wegmann, Quelle: Bundesarchiv/ Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0 de]

 

Robert Züblin – 29.06.2019, 23:59 Uhr

Wissenschaftler haben in einer Studie mit Nichtrauchern herausgefunden, dass Tabakrauch-Rückstände bei Nasenschleimhaut-Zellen zu oxidativem Stress führen, wenn der sogenannte kalte Rauch (Thirdhand-Smoke) eingeatmet wird.

Krebsgefahr

In der Studie, publiziert in der Fachzeitschrift “JAMA Network Open“, wurde die Nasenschleimhaut bei weiblichen Nichtrauchern untersucht, nachdem diese drei Stunden lang kaltem Rauch, also Thirdhand Smoke ausgesetzt waren.

Mit Thirdhand Smoke (THS) meint man die Tabakrauch-Rückstände, die an Wänden, Haaren oder etwa an der Kleidung haften bleiben, nachdem der Rauch einer Zigarette ausgeatmet wird oder Rauch von der brennenden Zigarette aufsteigt. THS kann man unter Umständen nicht nur riechen, sondern auch sehen – zum Beispiel im Falle einer vergilbten (gelblich gefärbten) Wand in einer Raucherwohnung.

“Die THS-Inhalation für nur drei Stunden veränderte die Genexpression im Nasenepithel gesunder Nichtraucher signifikant”, sagt die an der Studie beteiligte Forscherin Giovanna L. Pozuelos. “Die Inhalation veränderte Verläufe, die mit oxidativem Stress verbunden waren, was die DNA schädigen kann, wobei Krebs potenziell eine langfristige Folge ist. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass eine dreistündige Exposition gegenüber THS Krebs verursachen würde, aber wenn jemand in einer Wohnung oder einem Haus mit THS lebte oder regelmäßig ein Auto fuhr, in dem THS vorhanden war, könnte dies gesundheitliche Folgen haben.”

Keine THS-Regulierung aus Unwissen?

Die Forscher betonen, dass die Genexpression im Nasenepithel derjenigen im Bronchialepithel ähnelt. Daher seien die Studienergebnisse auch für die Zellen in den tiefer gelegenen Atemwegen relevant.

“THS kann wieder in die Luft eindringen und von Nichtrauchern unfreiwillig eingeatmet werden”, sagt Pozuelos. “Dies wurde bislang noch nicht gründlich untersucht, was erklären könnte, warum es hier keine Vorschriften zum Schutz von Nichtrauchern gibt.”

Gesundheit