Superhundertjährige tragen ihr Geheimnis in den Immunzellen

Älterer Erwachsener mit junger Erwachsener
Selbst 72-Jährige sollen nicht dieselben Immunzellen haben wie Superhundertjährige
[Fotograf: Joachim Spremberg, Quelle: Bundesarchiv/ Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0 de]
Robert Züblin – 18.11.2019, 23:59 Uhr

Im Rahmen einer Studie wurde herausgefunden, dass über Hundertjährige, die 110 Jahre und älter waren (sogenannte Superhundertjährige), bestimmte Immunzellen haben, die sich bei jüngeren Menschen selten finden lassen.

Geheimnis liegt in zytotoxischen T-Zellen

Die Wissenschaftler haben im Rahmen ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America” (PNAS) veröffentlicht wurde, circa 40.000 Zellen von sieben Superhundertjährigen untersucht. In der Kontrollgruppe hätten sich fünf Personen im Alter zwischen 50 und 80 Jahren befunden, die 20.000 Zellen zur Untersuchung beigesteuert hätten.

Beim Vergleich der beiden Gruppen hätten die Forscher festgestellt, dass die Superhundertjährigen bis zu 80 Prozent zytotoxische T-Lymphozyten, kurz T-Zellen, aufgewiesen hätten, während sich bei der Kontrollgruppe nur circa 10 bis 20 Prozent T-Zellen mit zytotoxischer Eigenschaft gefunden hätten, also Zellen, die andere Zellen töten können. T-Zellen gehören zu den weißen Blutzellen und dienen der Immunabwehr.

Bei genauerer Betrachtung der T-Zellen von den Superhundertjährigen hätten die Forscher zu ihrer Überraschung sogenannte CD4-T-Zellen entdeckt, die zytotoxisch gewesen seien.

„Diese Eigenschaft ist damit typischerweise bei Superhundertjährigen zu finden, da CD4-T-Zellen im Allgemeinen Helfer-Funktionen, aber nicht zytotoxische Funktionen unter physiologischen Bedingungen aufweisen“, wie es in der Studie heißt.

Superhundertjährige passen Immunsystem an

Außerdem hätten die Wissenschaftler festgestellt, dass die zytotoxischen CD4-T-Zellen durch Klonbildung entstanden seien. „Die Umwandlung von Helfer-CD4-T-Zellen in eine zytotoxische Variante könnte eine Anpassung an das Spätstadium des Alterns sein“, vermuten die Forscher anhand ihrer Entdeckung.

Das Geheimnis, warum über Hundertjährige so alt werden, ist also nicht, dass sie sich ein Immunsystem bewahrt haben, das dem eines jungen Menschen entspricht. Vielmehr lassen die Ergebnisse der untersuchten Zellen von den Superhundertjährigen annehmen, dass sie ihr Immunsystem an ihr Alter anpassen.

„Unsere Studie zeigt, dass Superhundertjährige einzigartige Eigenschaften in ihren zirkulierenden Lymphozyten haben, die eine notwendige Anpassung darstellen können, um eine außergewöhnliche Langlebigkeit zu erreichen, indem sie die Immunantwort auf Infektionen und Krankheiten aufrechterhalten“, schreiben die Wissenschaftler.

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