Permafrostböden: CO2-Ausstoß in etwa wie durch Deutschland befürchtet

Flusslauf im Bereich von Permafrostböden in der Arktis (Alaska).
NASA-Wissenschaftler untersuchen die Auswirkungen vom Auftauen der Permafrostböden
[Foto: NASA]
Robert Züblin – 11.12.2019, 21:33 Uhr

Nach einem Bericht einer US-Behörde wird durch das Schmelzen der Permafrostböden in der Arktis ein jährlicher Ausstoß des Treibhausgases CO2 ungefähr in einer Menge befürchtet, wie sie im Jahr 2018 von Deutschland ausgestoßen wurde.

Permafrostböden schmelzen & setzen CO2 frei

In einem aktuellen Arktis-Bericht der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), auch als Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA bekannt, heißt es, dass sich die Arktis im Vergleich zum globalen Durchschnitt doppelt so schnell erwärme.

Die schnelle Erwärmung der Arktis könnte zu einem großen Problem werden. Denn die Permafrostböden im Norden sollen 1460 bis 1600 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff gespeichert haben. Das sei ungefähr doppelt so viel wie der in der Atmosphäre befindliche Kohlenstoff. Von dem im Permafrostboden gespeicherten Kohlenstoff würden sich 65 bis 70 Prozent in der oberen Schicht befinden, also in einer Tiefe von 0 bis 3 Metern.

Die Behörde schätze aufgrund neuer Messungen, dass die Permafrost-Ökosysteme in der Arktis jährlich 300 bis 600 Millionen Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre abgeben. Zum Vergleich: Für Deutschland hat das Umweltbundesamt in Bezug auf das Jahr 2018 einen CO2-Ausstoß von 760 Millionen Tonnen geschätzt.

 
 

Permafrost-Auftauen beschleunigt Erwärmung

Der Kohlenstoff, der sich in den Permafrostböden befinde, sei ein Überrest von Mikroben, Pflanzen und Tieren, die einst in der Tundra und der sogenannten borealen Zone gelebt hätten.

Durch das Auftauen des Permafrostbodens und eine erhöhte Aktivität bei der mikrobiellen Zersetzung würde der im Boden gelagerte Kohlenstoff als Treibhausgas in die Atmosphäre freigesetzt werden. Zwar würde das Pflanzenwachstum dafür sorgen, dass CO2 aus der Atmosphäre als Biomasse wieder gespeichert würde. Allerdings gehe der NOAA-Bericht davon aus, dass unter dem Strich mehr Kohlenstoff freigesetzt als gespeichert werde.

“Zusätzliche Nettofreisetzungen von Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4) in die Atmosphäre durch Erwärmung und schnelleren mikrobiellen Abbau von Permafrostkohlenstoff haben das Potenzial, die Klimaerwärmung zu beschleunigen”, heißt es in dem Bericht.

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