Ist weißer Beluga-Wal mit Kamera-Gurt ein russischer Spion?

Beluga-Wal mit Kamera-Gurt vor der Küste Norwegens.
Der weiße Beluga-Wal vor der Küste Norwegens
[Foto: Jørgen Ree Wiig, Fiskeridirektoratet]

 

Robert Züblin – 29.04.2019, 23:57 Uhr

In Norwegen hat sich ein weißer Beluga-Wal einem Fischer-Boot genähert und fiel durch die Riemen auf, die er am Körper trug. Zusammen mit Mitarbeitern der Fischereiaufsicht wurde das Tier von seiner Last befreit.

Vorrichtung für GoPro-Kamera

In vielen Medien wird nun spekuliert, dass es sich bei dem Wal um einen russischen Spion handeln könnte. Denn auf dem Geschirr, das der Beluga trug, stand der Herkunftshinweis “Ausrüstung aus St. Petersburg”. Außerdem hätte sich an einem Gurt eine Befestigungsmöglichkeit für eine GoPro-Kamera befunden.

Zur norwegischen Zeitung “Verdens Gang” sagte Professor Audun Rikardsen von der Arktischen Universität in der norwegischen Stadt Tromsø, Forscher-Kollegen hätten ihm gegenüber gemutmaßt, dass der Wal von der russischen Marine in Murmansk stamme.

Überleben in der freien Natur?

Die Vermutung, der Wal sei ursprünglich vom russischen Militär gefangen gehalten worden, passt zu Aussagen von Dmitry Glazov gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Russlands, Interfax. Glazov arbeitet am Severtsov Institute of Ecology and Evolution an der Russischen Akademie der Wissenschaften und sagt, dass Belugas vom russischen Militär im Rahmen der Olympischen Spiele in Sotchi im Jahr 2014 eingesetzt worden seien.

“Es gibt ein Institut in St. Petersburg, das mit dem Militär bei der Erforschung von Tieren für anwendungsorientierte Zwecke zusammenarbeitet”, habe Glazov gesagt. Die Experten des Instituts arbeiteten in der Kosakenbucht am Schwarzen Meer und in Murmansk. Glazov gehe davon aus, dass der Instituts-Wal einfach „abgehauen“ sei. Das würde gegen die Theorie sprechen, dass der Wal ein russischer Spion sei.

Professor Rikardsen bemerkt, dass es sich bei dem Wal um ein zahmes Tier handeln würde, das daran gewöhnt sei, gefüttert zu werden. Dies sei vermutlich auch der Grund, warum das Tier so dicht an das Fischerboot geschwommen sei. Die Frage, die sich jetzt stellen würde: Kann der Beluga-Wal auch im Freien überleben, also seine Nahrung auf natürlichem Wege finden?

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