Ist eine chronische Entzündung Hauptrisikofaktor bei COVID-19?

Ärzte legen während einer Visite beim Patienten die Therapie fest.
In einem Krankenhaus
[Fotograf: Klaus Franke, Quelle: Bundesarchiv/ Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0 de]

Robert Züblin | 21.05.2020 | 15:55 Uhr

Wissenschaftler vermuten, dass die hohe Sterberate bei COVID-19 auf die große Anzahl von Menschen zurückzuführen sei, die eine geringgradige chronische Entzündung als Vorerkrankung hätten.

Risikogruppe Grunderkrankungen

In einer aktuellen Studie sind Wissenschaftler – darunter der Arzt und Mikrobiologe Kenneth Alibek – der Frage nachgegangen, ob chronische Entzündungen als Vorerkrankung die Haupttodesursache bei COVID-19 sind.

Die Studie wurde auf der Medizin-Archiv-Webseite “medRxiv” veröffentlicht. Bei der Studie handelt es sich um einen Vorabdruck, also um eine Veröffentlichung, die noch kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen hat.

Zum Hintergrund ihrer Forschungsfrage schreiben die Forscher in dem Vorabdruck, dass bereits beschrieben worden sei, unter welchen Bedingungen die Sterblichkeit bei COVID-19 zunehme. Dies sei bei älteren Menschen der Fall sowie bei Menschen mit Grunderkrankungen – wie Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und Diabetes.

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Problem vor allem in entwickelten Ländern

Die Forscher erklären auch, wie sie zu der Hypothese gelangt seien, dass chronische Entzündungen der Hauptrisikofaktor für eine erhöhte Anfälligkeit für und Sterblichkeit durch COVID-19 seien. Für die Abwehr von viralen Infektionen sei die Immunantwort des menschlichen Körpers wichtig, die aber bei chronischen Entzündungen fehlreguliert sei.

Zu den Veränderungen des Immunsystems wegen geringgradiger chronischer Entzündungen gehöre laut den Studienautoren unter anderem:

  • Reduzierte phagozytische Aktivität und reduzierte Anzahl von Monozyten sowie Makrophagen
  • Verminderte zytotoxische Aktivität von natürlichen Killerzellen (NK-Zellen)
  • Verminderte Anzahl naiver T- und B-Zellen
  • T-Zellen reagieren vermindert auf neue Antigene

Die Kombination dieser und weiterer von den Studienautoren aufgeführten Immunanomalien würde mit dem Begriff Immunalterung bezeichnet. Die mit dieser einhergehende Fehlregulation würde sowohl das angeborene als auch das erworbene Immunsystem betreffen. Besonders gut sei die Fehlfunktion des Immunsystems im Atmungstrakt von Personen beschrieben, die unter Immunalterung litten.

Die Forscher hätten Informationen aus 126 Ländern analysiert. Sie kommen zu dem Schluss, dass die hohe Mortalitätsrate im Rahmen von COVID-19 mit der großen Anzahl von Menschen zusammenhängen könnte, die an einer leichten chronischen Entzündung leiden würden.

Um das Erkrankungs- und Sterberisiko in Bezug auf COVID-19 zu senken, könne man sich auf dieses Gesundheitsproblem konzentrieren, das vor allem in entwickelten Ländern auftreten würde.

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