Veganer in Deutschland – Wie viele gibt es?

Von Robert Züblin – Aktualisiert am 12.1.2019, 15:25 Uhr
 

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geht für Ende 2018 davon aus, dass 1 % der befragten Bundesbürger in Deutschland Veganer sind.

Wie viele Veganer es in Deutschland gibt, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Wir sind der Frage auf die Spur gegangen.

Wer is(s)t denn nun alles vegan?
[Foto: Bernd Settnik, Quelle: Bundesarchiv/ Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0 de]

Die Gesellschaft für integrierte Kommunikations-Forschung (GIK) hatte Anfang Juni 2018 mitgeteilt, dass sich angeblich nur 0,3 Prozent der über 14-Jährigen in Deutschland ausschließlich vegan ernähren würden. Das wären hochgerechnet auf die Gesamt-Bevölkerung circa 250.000 Menschen.

Reine Vegetarier gäbe es nach den Umfragen der GIK immerhin zwei Prozent. Auf diese Zahl kämen auch die Flexitarier; das sind Menschen, die zwar hin und wieder Fleisch essen, aber grundsätzlich Richtung vegetarische Ernährung tendieren.

Wer kauft dann die ganzen veganen Produkte?

Die Zahlen der GIK zu den Veganern in Deutschland verwundern. Die Regale der Bioläden und Drogerien sind voll mit veganen Produkten. Wer kauft das alles, wenn doch angeblich so gut wie niemand vegan ist?

Wurden die falschen Leute gefragt? Die GIK arbeitet mit dem ADM-Stichprobensystem. Dieses Umfragen-Design schließt alle Ausländer, Studenten sowie Freiwilligendienstleistende in Wohnheimen, Untermieter und andere Gruppen von der Erhebung aus. In vielen dieser Gruppen befinden sich aber nach den Ergebnissen des Marktforschungsinstituts Skopos überproportional viele Veganer: 70 Prozent der reinen Pflanzenesser hätten einen hohen Bildungsabschluss und 60 Prozent befänden sich in der Altersgruppe der 20-39-Jährigen. Also gerade unter den Studenten in Wohnheimen und WGs finden sich mehr Veganer als anderswo. Nur leider wurden diese Veganer von der GIK nicht erfasst.

Insgesamt hatte Skopos 1,3 Millionen Veganer in Deutschland hochgerechnet; das war im Jahr 2016. Also ungefähr fünf mal so viele, wie die GIK errechnet hat. Bedenkt man noch den von Skopos ermittelten Zuwachs von 15 % im Jahr, müssten heute circa 1,7 Millionen Veganer unter uns weilen; nach Skopos Erhebungen zu 81 % Frauen.

Die hohen Veganer-Zahlen von Skopos entsprechen auch eher der Bedeutung, die die Läden und Hersteller dem ganzen Thema beimessen. Im Gegensatz zur GIK hat Skopos keine Personengruppen ausgeschlossen. Auf die Frage, warum die Zahlen der GIK so viel niedriger ausfallen, erklärt Skopos, dass die eigene Erhebung online durchgeführt wurde und der Bildungsgrad online überdurchschnittlich hoch sei. Auch Hipster erreiche man über das Internet eher, als über die Befragung, die die GIK durchgeführt hat. “Der wahre Wert liegt also irgendwo zwischen den beiden Werten”, sagt Forschungsdirektor Jan Berlin von Skopos.

So erklärt sich, dass das Marktforschungsinstitut Yougov 0,7 Prozent konsequente Veganer im Jahr 2014 gemessen hatte. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung wären das circa 560.000 Menschen in Deutschland, also doppelt so viele wie die von der GIK gezählten Veganer drei Jahre später. Abgesehen von den unter 16-Jährigen wurden keine bestimmten Personengruppen von der Yougov-Befragung ausgeschlossen.

Anfang Januar 2019 hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft den BMEL-Ernährungsreport 2019 vorgestellt und darin die Ergebnisse eigener Umfragen aus dem Oktober und November 2018 bekannt gegeben, aus denen sich ergäbe, dass sich 1 % der befragten “Bundesbürger” vegan ernähren würden. Auch hier wurden also nur Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit befragt. Außerdem hat das BMEL 6 % Vegetarier ausgemacht.

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Was ist die GIK?

Die Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK) ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Verlage Axel Springer, Bauer, Burda, Funke und Gruner + Jahr. Eines der Hauptziele der GIK ist die Unterstützung von Werbekunden bei der Mediaplanung – also der Schaltung von Werbung in den Massenmedien.

Im Fall der zahlenmäßigen Erhebung von Veganern, Vegetariern und Flexitariern will man der Lebensmittelindustrie aufzeigen, dass es sich lohnt, in den Markt einzusteigen beziehungsweise passende Produkte zu bewerben. Die Message der GIK lautet: Es gibt zwar nicht so viele reine Veganer und Vegetarier, aber vegane und vegetarische Produkte werden auch von gesundheitsbewussten fleisch- und käse-essenden Menschen gekauft.

Allein der Umsatz für vegetarische Produkte sei laut Marktforschungsinstitut Nielsen von 2016 bis 2017 um ganze 26 Prozent gestiegen und würde jetzt 819 Millionen Euro betragen. Die vegane und vegetarische Produktpalette wird also weiter wachsen und mit ihr die Anzahl der Werbeanzeigen.